Geheimnisvolle Knollen – Genuss der Könige

Kulinarische Reisen sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Und eine solche Reise wollen wir heute unternehmen. Die Vaucluse ist unser Ziel, die neben landschaftlicher Schönheit, faszinierender Kunst und Kultur und geschichtsträchtiger Architektur zu gastronomischen Highlights einlädt. Unter Linde, Weide, Eiche, Buche oder Haselnuss wächst die Schwarze Trüffel (Tuber melanosporum), deren Hauptanbaugebiet in Frankreich, die Vaucluse ist. 70 – 80  Prozent aller französischen Trüffel stammen von hier. Und um diese soll es im Folgenden gehen.

Die Vaucluse, eine Region mit vielen Gesichtern

Das 3.500 Quadratkilometer große Département Vaucluse (554.000 Einwohner), deren Wirtschaft geprägt ist von Landwirtschaft, Tourismus und einigen Unternehmen der Energiebranche  verdankt ihren Namen, der kleinen Ortschaft Fontaine-de-Vaucluse, in der die Quelle des Flusses Sorgue liegt. Die 240 Meter tiefe Schlucht, trug bis ins Jahre 1793, den lateinischen Namen vallis clausa (geschlossenes Tal), ins Französische übersetzt: Vaucluse.

Die Vaucluse wird in vier Regionen aufgeteilt: im Norden in die Region Côtes du Rhône, mit ihrem blühenden Lavendel und ihrem Wein; im Westen, in Avignon (94.000 Einwohner), Papststadt, berühmt für ihr internationales Theater-Festival, umgeben von der  Agglomération Grand Avignon; im Osten in das charmante Pays du Mont Ventoux, mit seinem 1.912 Meter hohen Berg und im Süden in den Luberon, mit seinen sanften Hügeln, malerischen Bergdörfern und wilden Wäldern. Wichtigster Fluss ist die Rhone, die, die Westgrenze des Départements markiert. Die Durance bildet die Südgrenze des Départements, sie mündet bei Avignon in die Rhône.

Was die römische Antike, die Päpste und die Tempelritter zwischen dem Mont Ventoux, dem Hochplateau der Vaucluse, dem malerischen Luberon und dem breiten Urstromtal der Rhône, den üppigen Wein- und Lavendelfeldern, den wilden Wäldern und stürmischen Bächen, hinterlassen haben, gehört heute zum UNESCO-Welterbe.

Was die römische Antike, die Päpste und die Tempelritter zwiwschen den wilden Wäldern und stürmischen Bächen, hinterlassen haben, gehört heute zum UNESCO-Welterbe.

Die Trüffel

Winterzeit  ist Trüffelzeit

Schneebedeckte Gipfel, Weinberge und Felder versinken frühmorgens im dichten Nebel. Der Mistral fegt die Wolken vom Himmel und die Sonne strahlt in eifrigem Glanz. Rauhreif glitzert im Licht und Tau tropft von struppigen Bäumen und kahlen Weinreben. Der November im Vaucluse zeigt sein winterliches Gesicht.

Ab jetzt beginnt die Trüffel-Saison. Bis in den März hinein dreht sich alles um die schwarze Knolle: Cavages, Führungen, Fortbildungen, Kurse, Märkte oder Lesungen werden veranstaltet, die sich ganz dem Pilz widmen. Und auf den Märkten spielt sich in den Wintermonaten ein interessantes Schauspiel ab: in diskretem Flüsterton verhandelt, diskutiert, gewogen, verkauft.

Was sind Trüffel?

Trüffel sind unterirdisch wachsende riesige Pilzgeflechte, fadenförmiger Pilzzellen (Hyphen), das als Myzel bezeichnet wird. Die Trüffel, die als Speisepilz geerntet werden, sind dabei die knollenförmigen Fruchtkörper (Vermehrungsorgan des Pilzgeflechtes). Von den „Echten Trüffel“ der Gattung Tuber sind 160 bis 200 Trüffelarten bekannt. Der unterirdisch wachsende Schlauchpilz geht eine Symbiose mit den Wurzeln der Wirtspflanze ein, versorgt diese mit Mineralsalzen und Wasser und erhält  im Gegenzug Nährstoffe vom Baum.

Heutzutage stammen mehr als 90 Prozent aller Trüffel von Plantagen. Als Truffière werden diese Trüffelhaine bezeichnet, einer Kulturanlage aus mehreren Reihen Steineichen, Buchen, Haselnuss oder Kastanie, deren Wurzeln mit dem Pilz-Myzel geimpft wurden. Neben der Wirtspflanze benötigt eine Trüffel vor allem viel Wasser und einen lockeren,  kalkhaltigen Boden (pH-Wert > 8), wie er etwa in Weinanbaugebieten zu finden ist. In Frankreich, Spanien, Italien findet er optimale Wachstumsbedingungen. Hier gedeihen auch die sechs kulinarisch wertvollsten Trüffelarten:

Tuber magnatum weißer Trüffel, Piemont- oder Albatrüffel
Die Königin unter den Trüffeln reift von September bis Anfang Januar in ganz Italien und im Périgord  in Frankreich. Ihre rundliche Form, macht sie unverkennbar.  Der Trüffel ändert seine Farbe, je nachdem, mit welchem Baum er in Symbiose lebt. So kommen weiße, hellbraune oder zart rötliche Schattierungen vor. Sein Intensiver Duft  erinnert an Knoblauch, Schalotten und Weichkäse.

Weiße Alba-Trüffel, setzten sich, wie die Perigord-Trüffel aus mehr als 50 Aromen zusammen, sodass ihr Geschmack ausgesprochen vielschichtig ist. Er erinnert an eine Mischung aus (scharfen, toskanischen Olivenöl und dem Weißschimmel auf reifem Ziegencamembert.

Tuber melanosporum, Schwarzer Trüffel, Perigord-Trüffel
Der Schwarze Trüffel oder Périgord-Trüffel, im Provenzalischen auch als „rabasse“ bezeichnet, fühlt sich nicht nur in Frankreich, sondern ebenso in Italien, Spanien, Ungarn, Türkei und Australien wohl. Die Ernte findet von November bis März statt. Seine schwarz-violettes Masserung, wird von  feinen weißen Adern durchbrochen.  Seine Struktur ist Feinkörnig  und lässt keinen Zweifel an der Echtheit des Trüffels. Sein tiefes Schwarz und die winzigen sechskantigen Pocken, lassen den Trüffel wie einen funkelnden Diamanten aussehen. Er duftet zart nach Kakao, Pilz und Moschus. Sein vielschichtiger Geschmack kann als nussig, erdig und scharf beschrieben werden.

Tuber aestivum, Sommertrüffel, Scorzone
In der Provence, Italien, Spanien, der Türkei, Albanien, Ungarn, und sogar in Süddeutschland zu Hause. Ernte von Mai bis in den Herbst. Angenehmer erdiger Pilzduft. Mit dunkelbraune bis schwarzen Färbung ein appetitanregender Trüffel. Sehr mild im Geschmack.

Tuber mesentericum, Herbsttrüffel
Trüffel der sich auch in nördlicheren  Verbreitungsgebieten wohlfühlt. In Mittelitalien, in der Normandie, in Mitteldeutschland und England zu finden. Unangenehmer Duft und Geschmack.

Tuber uncinatum, Burgunder-Trüffel
Geerntet wird der Burgundertrüffel  von Oktober bis Anfang Januar. Der Burgunder-Trüffel mit seiner dunkelbraunen Färbung, hat manchmal eine etwas unregelmäßige Struktur. Sein Duft ist kräftig und erinnert ein wenig an Steinpilzen. Durch seine Haselnussnote ist die Burgunder-Trüffel ein beliebter Pilz.

Tuber brumale, Muskat Trüffel, Wintertrüffel
Ernte von Januar bis März. Vorkommen in Frankreich und  Spanien, nördlichere Verbreitungsgebiete bis in den Alpenraum hinein. Der Trüffel ist dunkelbraun bis schwarz und mit kleinen Pocken überzogen.  Das Fruchtfleisch ist von breiten, weißen Adern durchzogen. Schönes, ausgewogenes Aroma.

Wie vermehren sich Trüffel? Haben Trüffel Sex?

Die wohl markanteste Eigenschaft der Trüffel ist ihr spezieller Duft. Und das nicht ohne Grund……Trüffel wollen entdeckt und gefressen werden.

Durch ihre unterirdische Lebensweise können die Tuber melanosporum weder zufällig von Tieren entdeckt, noch ihre Sporen durch den Wind verbreitet werden. Und so lockt die reife Trüffel mit ihrem intensiven, verführerischen Tiere an, die ihre Knollen fressen und die unverdaulichen Sporen an anderer Stelle wieder ausscheiden. Die Sporen keimen aus und bilden ein riesiges, verzweigtes Pilzgeflecht (Myzel). Treffen sich unterirdisch Pilzgeflechte, die zu Trüffeln unterschiedlichen Geschlechts gehören, verschmelzen sie miteinander. Es kommt zum „Trüffel-Sex“. Das so entstandene fruchtungsfähige Pilzmyzel bildet kleine Knoten, die innerhalb weniger Monate zum Trüffel heranreifen.

Ähnlich funktioniert eine alte Trufficulteur-Methode, das Impfen von Setzlingen, dabei werden Erde, Putzreste, verdorbene Trüffel gemischt  und unter Bäumen ausgestreut. In den Putzabfällen befinden sich Abermillionen von Sporen, die in der Erde keimen, und zu männlichen oder weiblichen Myzelien heranwachsen. Hat sich nach längerer Zeit, der Trüffel mit dem Wurzelgeflecht seines Wirtes verbunden, so entsteht häufig im Umkreis eine vegetationsgeschädigte Zone, die auch „verbrannte Erde“ oder franz. Brûlée genannt wird.

Die Geschichte der edlen Winterknollen

Die Geschichte der Trüffel hat viele Höhen und Tiefen und ist voll von spannenden Legenden, kuriosen Ritualen, Spekulationen………

Die Geschichte der Trüffel hat viele Höhen und Tiefen und ist voll von spannenden Legenden, kuriosen Ritualen, Spekulationen………

Der Schwarze Trüffel, war schon lange als Delikatesse begehrt. Historiker gehen davon aus, dass schon die Sumerer in Südmesopotamien (3000 v. Chr.) Trüffel speisten. Später in den Kulturen der Griechen und Römer, waren Trüffel als Aphrodisiakum begehrt, Pythagoras soll ganz vernarrt in sie gewesen sein und Plinius der Ältere erwähnte sie 77. n. Chr. in seinen Schriften Naturalis Historia.

Durch ihre versteckte Lebensweise als Teufelswerk verschrien, gerieten die Trüffel während der dunklen Jahre des Mittelalters (6. – 15. Jahrhundert) lange in Vergessenheit. Erst im Zeitalter der Renaissance (15. – 16. Jahrhundert) wurden die Trüffel wieder entdeckt. Papst Alexander VI. (1431 – 1503) und seine Tochter Lucrezia Borgia (1480 – 1519) sollen Gerichte rund um die Schwarzen Trüffeln geliebt haben. In Frankreich war es der Ritterkönig Francois I. (1494 – 1547), der die Trüffel am königlichen Hof einführte und so das Zeitalter der großen französischen Küche einläutete.

Das Schwarze Gold des Périgord

Der Siegeszug des Trüffels setzte sich auch während der Zeit des Absolutismus (17. – 18. Jahrhundert), fort, insbesondere Louis XIV (1638 – 1715), der Sonnenkönig, war für seine prunkvollen Tafeln berühmt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Trüffel im Jahre 1763 mit der Bezeichnung „Or Noir du Périgord“, als „Schwarzes Gold des Périgord“ in der „Grande Encyclopédie de Diderot et d’Alembert“ kulinarisch zum Ritter geschlagen wurde.

Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts weitetete sich der Handel mit den Schwarzen Trüffeln stetig aus. Sie eroberten in rasantem Tempo die Küchen des stetig wachsenden Bürgertums. Bald gab es kein Diner und keine gesellschaftliche Veranstaltung mehr ohne sie. Der berühmte Gastrosoph Jean Anthelme Brillat-Savarin (1755 – 1826) schrieb dazu in seinem Werk „La Physiologie du Goût“ (1825): „Eine Vorspeise, die nicht mit ein wenig Trüffel verfeinert wurde, verdient den Namen Vorspeise nicht. Kurz gesagt, die Trüffel ist der Diamant der gehobenen Küche.“

Zur gleichen Zeit wurden auch die ersten Versuche unternommen Trüffel zu züchten. Im Jahre 1825 beschrieb Alexander von Bornhold  in seinem Buch: „Der Trüffelbau oder die Anweisung, die schwarze und weiße Trüffel in Waldungen, Lustgebüschen und Gärten durch Kunst zu ziehen und große Anlagen zu machen“, Methoden und Möglichkeiten der Trüffelzucht.

Das goldene Zeitalter des Trüffels

Auch in Frankreich wusste man die Trüffel zu vermehren. Und so kam es, dass immer mehr Trüffelkulturen angelegt wurden, große Trüffelhaine und kleine Trüffelgärten für den Privatgebrauch. Gegen Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts setzte ein wahrer Trüffelboom ein. Überall wurden Trüffelpflanzungen betrieben, insbesondere im Périgord (Dordogne) und rund um den Mont Ventoux (Vaucluse). Zudem wütete die amerikanische Reblaus, in den Weinbaugebieten Frankreichs, was dazu führte, dass noch mehr trufficultures angelegt wurden. Die Zeit von 1880 bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs, im Jahre 1914, in der die Produktion mehr als 1000 Tonnen pro Jahr betrug, wird als goldenes Zeitalter des Trüffels bezeichnet.

Das 20. Jahrhundert, gekennzeichnet durch Bevölkerungswachstum, kulturelle Veränderungen, Industrialisierung, Urbanisierung, die Ausweitung der Land- und Forstwirtschaft und der Einzug moderner Technologien auf den Bauernhöfen, ließ die Trüffelhaine nach und nach verschwinden. Nachdem sich diese Entwicklung mehr und mehr fortsetzte, begann man, in Frankreich, schon zu Beginn der 60iger Jahren, mit der Wiederaufforstung der Wälder und Trüffelkulturen. Der Unternehmer und Milliardär Sylvain Floirat (1899-1993), nahm sich ab 1964 der Trüffeln an. Auf sein Geheiß, wurden jährlich 10.000 mit Sporen des Tuber melanosporum geimpfte Bäumchen, gepflanzt. Er investierte in die Erforschung der Trüffelkultur und unterstützte den Wiederaufbau alter Trüffelhaine.

Lukullische Trüffelreisen und Trüffeljagden

Ob leidenschaftliche Trüffelsucher, Gourmets oder Naturliebhaber, die geheimnisvollen Edelpilze faszinieren die Menschen......

Ob leidenschaftliche Trüffelsucher, Gourmets oder Naturliebhaber, die geheimnisvollen Edelpilze faszinieren die Menschen……

Trüffel sind in den letzten Jahren immer populärer geworden. Hotels, Reiseveranstalter, Trufficulteure (Trüffelbauern) oder Weingutbesitzer bieten facettenreiche Reisen und Veranstaltungen zum Thema Trüffel an, wie beispielsweise Wanderungen in Wäldern oder Trüffeljagden, mit Hund und Herrchen. Daneben stehen gastronomische Erlebnisse, Kochkurse, Verkostungen mit namhaften Köchen oder lehrreiche Firmenbesichtigungen auf dem Programm.

Kennzeichnend für Trüffelreisen ist eine landestypische Unterbringung zum Beispiel auf Weingütern oder in Gästehäusern. Die Preispanne reicht von 115 Euro, in einem einfachen Landgasthaus (pro Übernachtung), mit Frühstück und einem 3-Gang Trüffelmenü (http://www.leviguier.com/), bis 1350 Euro für eine 3tägige Erlebnistour, in einem 5-Sterne Hotel, (https://www.crillonlebrave.com/ ), mit Frühstück, Cavage, Marktbesuch, Trüffelkochkurs und täglich wechselnden Trüffelmenüs.

Als Trüffeljagd wird das Suchen und Ausgraben von Trüffeln (Cavage) auf den Trüffelfeldern der Vaucluse bezeichnet. Unter der Leitung von lokalen Rabassiers (frz. se rabaisser, wörtlich: sich erniedrigen) oder Caveuren, begleitet von Trüffelhunden, erfahren Interessierte und Reisende, während der 1- bis 3-stündigen Wanderungen, lehrreiche Details über die Trüffelsuche, die Region und die Trüffel.

Trüffelsuche mit Eric Jaumard – La Truffe du Ventoux

Seit 1979 ist Eric Jaumard im Geschäft und hat es als Trüffel-Experte zu lokaler Berühmtheit gebracht. Auf seinem 20 Hektar großen Gelände baut er Schwarze Wintertrüffel (Tuber melanosporum) und Sommertrüffel (Tuber aestivum) an.

Neben dem Verkauf von Trüffeln bietet Eric Jaumard Trüffeljagden, thematische Spaziergänge, Verkostungen und Fremdenzimmer an. Auch die kleine Trüffelmanufaktur der Familie die Honig, Essig, Öl, Butter und Pasteten aus Trüffel produziert, kann besichtigt werden.

Die Trüffeljagden, die Eric Jaumard (http://www.truffes-ventoux.com) organisiert, starten gegen 11.00 Uhr, mit einem  informativen Vortrag. Seine Ferme liegt zwischen Monteux und Carpentras, beide Ortschaften berühmt für ihre Trüffel.

Mirette, seine Trüffelhündin begleitet die Suche. Schnüffelnd, die Nase Richtung Boden gesenkt, hechtet sie durch den Eichenwald. Auf Ruf bleibt sie stehen, sodass Eric Jaumard, die erste erdverkrustete Trüffel, mit seiner Fouji, kleinen Spitzhacke, vorsichtig ausgraben kann. Meist liegen sie nur 20 cm tief im Boden, mitunter aber auch ein bis zwei Meter. Ein bis eineinhalb Stunden dauert die Jagd. Und sie findet ihren Abschluss am knisternden Kaminfeuer, in seinem Landhaus, bei einem Glas Wein und zahllosen Trüffelspezialitäten.

Über Marches und Carreaus – ‹Esst mich und preiset Gott!›

Der größte Trüffelmarkt Europas. 50 Prozent aller Regionalverkäufe und 30 Prozent des internationalen Verkaufes des Tuber Melanosporum werden hier getätigt. Seit 1923 frönt man in Richerenches der Trüffelleidenschaft und kreiert amüsante Veranstaltungen rund um die Knolle mit dem Moschusduft.

Der größte Trüffelmarkt Europas. 50 Prozent aller Regionalverkäufe und 30 Prozent des internationalen Verkaufes des Tuber Melanosporum werden hier getätigt. Seit 1923 frönt man in Richerenches der Trüffelleidenschaft und kreiert amüsante Veranstaltungen rund um die Knolle mit dem Moschusduft.

Typisch für das winterliche Vaucluse, sind die wöchentlich stattfindenden „marché aux truffes“. Auf den Trüffelmärkten, von Apt über Ménerbes bis nach Valreas, bieten die lokalen Caveure und Rabassiers den Schwarzen Diamanten zum Verkauf. Der Trüffelmarkt in Carpentras (Avenue Georges Clemenceau / Cour de l‘Hôtel-Dieu), wo bereits seit 1155 Handel getrieben wird, ist der älteste provenzalische Trüffelmarkt. Und der Markt in  Richerenches, wohin uns unsere heutige Reise führt, ist als der größte Trüffelmarkt Europas bekannt.

Rendez-vous in Richerenches

Eine Reise in das winterliche Richerenches ist für Trüffelliebhaber ein Muss. Einzigartig durch die jährlich stattfindende Aufhebung des „Ban de Truffes“ und seine Trüffelmesse, gilt Richerenches als die Trüffelhauptstadt Frankreichs.

Der wohlhabende und charmante Weinbauort Richerenches, mit seinen 660 Einwohnern, liegt in einer Exklave, im Norden des Départements Vaucluse, die vom Gebiet des Département Drôme umschlossen wird.

Bei eisiger Kälte, unter blauem Himmel, findet hier seit 1923, von Mitte November bis in den März hinein, jeden Samstag, der größte Trüffelmarkt Europas statt. 50 Prozent aller Regionalverkäufe und 30 Prozent des internationalen  Verkaufes werden in dem kleinen Städtchen, mit der ältesten Templer-Komturei Frankreichs, getätigt.

Der Markt, auf dem platanengesäumten Cours du Mistral, ist das Refugium der Großhändler, Trüffelmakler und Chefköche der Region. Liefer- oder Geländewagen, stehen mit geöffneter Heckklappe am Rande der Szenerie. Dazwischen Trüffelbauern, mit ihren kleinen Plastiksäckchen oder Jutebeuteln. Sie bieten den Käufern, die frisch geernteten „Schwarzen Diamanten“ an. Diskretion, Verschwiegenheit und Taktgefühl sind oberstes Gebot. Die Preise schwanken zwischen 450 bis 1.200 Euro / Kilo und werden flüsternd verhandelt. Die Trüffel, abgewogen mit einer alten Handwaage, werden nur bar gezahlt. An einem normalen Markttag wechseln, mehr als 400 – 800 kg den Besitzer.

Die Fußgängerzone rund um die Avenue de la Rabasse, nicht weit vom Cours du Mistral entfernt, lädt zum Flanieren ein. Von 9.30 bis13.00 Uhr können Einheimische und Besucher hier nach Herzenslust stöbern und einkaufen. Die Stände auf dem kleinen Marché aux Truffes au Détail, bieten die unterschiedlichsten Trüffelprodukte an. Trüffel in kleinen Mengen, Trüffelöl, Trüffelhonig, Terrinen und sogar einen haselnussfarbenen Trüffel-Likör. Um seinen eigenen Trüffelgarten einzurichten gibt es Trüffelbäume und Setzlinge.

Die Aufhebung des Trüffelbanns

In schwarze Roben gewandet, die breitkrempige Hüte tief im Gesicht und mit einer Medaille am gelben Band ausgestattet, ziehen die Mitglieder der „Bruderschaft des schwarzen Diamanten und der Gastronomie“ (Confrérie du Diamant noir et de la Gastronomie), mit einer große Parade durch das Zentrum der kleinen Ortschaft. Der erste Samstag, der dem 15. November folgt, wird mit der Aufhebung des Trüffelbanns, Ban de Truffes, gefeiert. Trüffeljagden, Verkostungen, Soirées und  Konferenzen, runden die offizielle Eröffnung der Trüffelsaison ab.

Trüffelmesse

Ein weiteres Highlight ist die Trüffelmesse in Richerenches, die zu Ehren von Saint Antoine le Grand, dem Schutzpatrons der Trüffel und der Trufficulteure gehalten wird. Am dritten Sonntag des Januars, wird seit 1952, in der Église Saint Denis, die Messe in provenzalisch gehalten und Trüffel in der Kollekte gesammelt. Nach dem Gottesdienst werden die schwarzen Knollen auf dem Marktplatz, zugunsten der Pfarrkirche und für wohltätige Zwecke versteigert. Ein mehrgängiges Trüffel-Festmahl schließt sich an.

Und wer jetzt noch mehr über die Geheimnisse des  berühmten Pilzes wissen möchte, besucht das Musée de la Truffe et du Vin, gleich neben dem Office de Tourisme oder reserviert sich, für den Abend einen Tisch, in einem der umliegenden Restaurants.

Die Leidenschaft für die Trüffel ist in der Vaucluse bis heute ungebrochen. Mehr als 300.000 Trüffelsetzlinge werden jährlich, auf einer Fläche von 1.000 bis 1.200 Hektar gepflanzt und 20.000 Trufficulteure ernten, 30 bis 50 Tonnen Trüffel pro Jahr. Die Geschichte der schwarzen Trüffel in Frankreich kann also weiter geschrieben werden……

Zusatzinformationen

Maison de la Truffe et du Vin
Place de l’Horloge, 84560 Ménerbes
Das Herrenhaus, aus dem 17. Jahrhundert, bietet lehrreiche Ausstellungen zu den Themen Trüffel und Wein an. Parallel dazu werden Workshops und Feinschmeckerkurse, mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad und Niveau angeboten. Das Restaurant, mit seinem prachtvollen Garten lädt zum Probieren und Dinieren ein. Der kleine Shop nebenan bietet Weine der Region und frische Trüffel an.
http://www.vin-truffe-luberon.com/

Musée de la Truffe et du Vin
Place Hugues de Bourbouton, 84600 Richerenches
In einem Templerhaus, aus dem 12. Jahrhundert, gleich neben dem l’Office de Tourisme weiht das Musée de la truffe et du vin, Besucher in die Geheimnisse des berühmten Pilzes (Le Tuber Melanosporum) ein. Die interaktive Ausstellung fasziniert durch herrliche Fotos, spannende Videos, Informationen und Erklärungen Rezepte und vieles andere mehr (Englisch und Französisch). Eintritt frei.
http://richerenches.fr/

Musée de la Truffe du Ventoux et du coquetier d’art
Le Moustier – 84390 Monieux
Eine Ausstellung über die Geschichte der Trüffel und Trüffelkultur. Die Varietäten die am Mont Ventoux heimisch sind werden mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt. Daneben findet eine Sammlung kunstvoller Eierbecher aus aller Welt. Eintritt frei. Museum der Ventoux‐Trüffel und kunstvolle Eierbecher). www.musee‐delatruffeduventoux.com